Nachdem wir unsere Trainingsgruppe im Hof an der Binzmühlestrasse in Oerlikon gründeten, wollte ich unbedingt wieder nach Los Angeles zurückkehren. Zürich war mir zu klein! Und ich vermisste das Muay-Thai-Training bei Ajarn Chai Sirisute. Er war für mich so wichtig wie Sauerstoff zum Leben geworden. Durch ihn und Sifu Chema (José María Fraguas) hatte das Kampfkunsttraining eine ganz neue Intensität bekommen. Jedes einzelne Training war für mich eine persönliche Herausforderung, ein Kampf mit mir selbst.

Ende April 1989 traf ich mich wieder mit Ajarn Chai in Madrid, in Spanien, um an einem weiteren Muay-Thai-Seminar bei ihm teilzunehmen. So hatte ich auch gleich die Gelegenheit, ihn zu fragen, ob er wieder in Kalifornien sein würde, was er mir bestätigte. Und so buchte ich bald darauf erneut meine nächste Reise nach Los Angeles. Diesmal begleitete mich Marisa, meine damalige Freundin. Wir hatten geplant, nach L.A. zu fliegen und über San Francisco zurückzukommen, weil sie unbedingt S.F. besuchen wollte. Für mich war das auch in Ordnung, denn ich wollte mir das bekannte China-Town anschauen und den einen oder anderen Jeet-Kune-Do-Lehrer vor Ort besuchen.

In Los Angeles durften wir bei Ajarn Chai leben, was eine grosse Ehre war. So konnte ich an der Inosanto Academy trainieren und gleichzeitig mehr Zeit mit meinem Mentor privat verbringen.

Nach einer morgendlichen Lektion an der I.M.B. Academy von Sifu Richard Bustillo kamen einige Shooter ins (Jun Fan) Kickboxing-Training, die unter anderem bei Meister Yorinaga Nakamura, das japanischen Shoot-Wrestling trainierten. Sie fragten mich, ob ich die Gracies kenne, und als ich verneinte, fragte ich warum. Einer von ihnen meinte, weil sie auch «Spanisch» sprechen und aus Südamerika kommen. Die Jungs glaubten, dass ich auch Südamerikaner war, was mich neugierig machte. «Woher kommen denn die Gracies?», fragte ich. «Ich glaube, aus Rio de Janeiro», meinte der eine. «Ach so», meinte ich, «aus Brasilien, dann sprechen sie Portugiesisch und kein Spanisch!»

Als gäbe es keine Zufälle, ging ich nach dem Shoot-Wrestling-Training bei Nakamura, mit Marisa an die 3rd Street Promenade in Santa Monica, um etwas Kleines zu essen. Wir hatten dort unseren Lieblingsitaliener und für sie gab es auch zahlreiche Shoppingmöglichkeiten. An einem der Zeitungsstände sah ich verschiedene Kampfkunstzeitschriften, darunter auch ein älteres Exemplar von «Inside Karate», das die Geschichte der Gracies erzählte. Das spektakuläre Cover mit Meister Rorion und Meister Rickson im Armhebel erweckte meine Neugier.

So könnt ihr euch vorstellen, dass ich am nächsten Tag zu Meister Rorion in die Gracie Garage ging, um mehr über das Brazilian Jiu-Jitsu ihrer Familie zu erfahren. Nachdem ich mich vorgestellt hatte und herausgefunden hatte, dass er auch Spanisch sprach, fragte ich ihn, ob es möglich sei, ein paar Lektionen zu bekommen. Er meinte zuerst, dass er über 80 Interessenten auf seiner Warteliste habe und deshalb keine neuen Schüler annehme. Ausserdem sollten es die letzten Tage in der «Gracie Garage» sein, da er in Torrance die neue Gracie Jiu-Jitsu Academy eröffnen würde. Ich glaube, dass ich ihm doch sympathisch war, denn er meinte, ich könne bei seinen jüngeren Brüdern Royler oder Royce ein paar Privatstunden nehmen. Mit Meister Royce hatte ich noch am gleichen Tag eine Lektion und somit war der Einstieg ins Gracie Jiu-Jitsu geschafft. Mit Royce ging es dann an der Torrance Academy weiter, wo ich weiterhin bei ihm trainierte.

In der Gracie Garage lernte ich auch den sympathischen Carlos Machado kennen, bei dem ich später an seiner Machado Jiu-Jitsu Academy in Redondo Beach trainierte. Ich lebte in Hermosa Beach, was wirklich nur ein paar Gehminuten davon entfernt war. Später trainierten mein Bruder Demetrio und ich auch sehr intensiv bei seinen Brüdern Rigan und John, da Carlos nach Texas zog, um an der Seite des “Texas Rangers” Chuck Norris eine weitere erfolgreiche MJJ-Schule zu gründen.

Im Jahr 1978 kam Rorion Gracie angeblich aus Rio de Janeiro nach Hawaii und liess sich dann in Los Angeles nieder. Man erzählt sich, dass er es davor in New York versucht hatte. Sein Onkel Reyson und Carley Gracie, die beiden älteren Söhne von Carlos Gracie Sr., waren schon drei Jahre vorher in Kalifornien. In San Francisco unterrichteten sie Jiu-Jitsu, hatten aber keinen grossen Erfolg damit.

Meister Rorion hingegen, als Sohn des Jiu-Jitsu-Patriarchen Hélio Gracie, hatte sich zum Ziel gesetzt, den Kampfstil seines Vaters in die ganze Welt zu verbreiten. Er ging sehr zielbewusst und professionell vor und erhielt die Unterstützung grossartiger Schüler wie Richard Bresler, sein allererster Schüler, der leider vor kurzem verstorben ist.

Unabhängig davon, ob die gesamte Geschichte des Brazilian/Gracie Jiu-Jitsu stimmt – oder eben nicht, wäre es ohne das Engagement von Meister Rorion Gracie niemals zu dem geworden, was es heute ist.

Die Gracie Garage befand sich im Haus eines Surfers namens Carlos Gama, dem Sohn von Pedro Gama Filho, einem Rotgurtträger von Grossmeister Hélio Gracie. Die Doppelgarage mit ein paar Judomatten und ohne weiteren Luxus, aber mit erstklassigem Jiu-Jitsu, zog Kampfkunstmeister aus ganz Amerika an, die zu diesen «Brasilianern in weissen Kimonos» kamen, um von ihnen zu lernen. Chuck Norris, Richard Norton und viele andere, die auch im Filmgeschäft tätig sind, kamen zu den Gracies, um das brasilianische Jiu-Jitsu zu lernen.

Dazu gehörte auch mein JKD-/FMA-Instruktor Paul Vunak, ein innovativer Mensch, der den Wert des BJJ erkannte und es in sein Kampfkunstrepertoire integrierte. Um 1991 lernte ich Sifu Paul an der Inosanto Academy kennen. Seine Art des JKD Concepts brachte mich dazu, ihn gleich zu mir in die Schweiz einzuladen und sein Programm (PFS) vorzustellen.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwar mit Meister Royce trainiert, aber es fühlte sich für mich so an, als hätte ich nur geschnuppert. Deshalb erzähle ich oft, dass das erste Mal war für mich, nachdem Sifu Paul mir in Zürich gezeigt hatte, wie wirksam man JKD Concepts und BJJ kombinieren kann. Kurze Zeit später befand ich mich bei Vunak wieder. Er lud mich zum Training mit Rickson Gracie in Santa Monica ein, um an einer Lektion teilzunehmen. Die einfache, familiäre und respektvolle Trainingsatmosphäre bei Rickson motivierte mich, gleich mehr zu trainieren.

Bei den Gracies gab es damals keine «politischen» Angelegenheiten, die in Kampfkünsten oft verhindern, dass Schüler sich umsehen und anderes ausprobieren. Es gab auch keine «japanischen» Begriffe und Rituale, die ich auswendig lernen musste. Es basierte alles ganz einfach auf dem Prinzip: Es funktioniert, oder es funktioniert nicht! Alles war anders als das, was ich bis dahin gesehen hatte. Es wurde hart gearbeitet, aber stets mit grossem gegenseitigem Respekt und Unterstützung.

Ich hatte schon immer, auch als junger Mann, den Traum, meine Leidenschaft für die Kampfkunst später zum Beruf zu machen. Man kann sagen, dass dies schon immer meine Berufung war. Deshalb waren meine Vorbilder Meister Chai Sirisute, der das Muay-Thai in den 60er Jahren in die USA einführte, Grossmeister Sifu Keith Kernspecht, der das Wing Chun/Wing Tsun in ganz Europa (und darüber hinaus) gross und bekannt machte, und nicht zuletzt Meister Rorion Gracie, der das Brazilian Jiu-Jitsu in aller Welt zu dem machte, was es heute ist.

Wir sind diesen grossen Denkern und Machern verpflichtet, sie zu ehren, indem wir unser Bestes geben – jeden Tag, und uns bemühen, dass sie auf uns stolz sein können.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen, viel Spass auf dem Jiu-Jitsu Tatame.
Keep it real! -Prof. Franco


After founding our training group in the courtyard on Binzmühlestrasse in Oerlikon, I was determined to return to Los Angeles. Zurich was too small for me! And I missed Muay Thai training with Ajarn Chai Sirisute. He had become as important to me as oxygen for life. Thanks to him and Sifu Chema (José María Fraguas), martial arts training had taken on a whole new intensity. Every single training session was a personal challenge for me, a battle with myself.

At the end of April 1989, I met up with Ajarn Chai again in Madrid, Spain, to take part in another Muay Thai seminar with him. This gave me the opportunity to ask him if he would be back in California, which he confirmed. And so, shortly thereafter, I booked my next trip to Los Angeles. This time, Marisa, my girlfriend at the time, accompanied me. We had planned to fly to L.A. and return via San Francisco because she really wanted to visit S.F. That was fine with me, because I wanted to see the famous Chinatown and visit one or two Jeet Kune Do teachers there.

In Los Angeles, we were allowed to live with Ajarn Chai, which was a great honor. This allowed me to train at the Inosanto Academy and spend more time with my mentor in private.

After a morning lesson at Sifu Richard Bustillo’s I.M.B. Academy, some Shooters came to the (Jun Fan) Kickboxing training who, among other things, trained Japanese Shoot-Wrestling with Master Yorinaga Nakamura. They asked me if I knew the Gracie’s, and when I said no, I asked why. One of them said it was because they also speak “Spanish” and come from South America. The guys thought I was South American too, which made me curious. “Where are the Gracie’s from?” I asked. “I think from Rio de Janeiro,” said one of them. “Oh, I see,” I said, “from Brazil, then they speak Portuguese and not Spanish!”

As if by coincidence, after Shoot-Wrestling training with Nakamura, I went with Marisa to the 3rd Street Promenade in Santa Monica to grab a bite to eat. We had our favorite Italian restaurant there, and there were also numerous shopping opportunities for her. At one of the newsstands, I saw various martial arts magazines, including an older issue of Inside Karate that told the story of Gracie’s. The spectacular cover featuring Master Rorion and Master Rickson in an armbar piqued my curiosity.

So you can imagine that the next day I went to Master Rorion at the Gracie Garage to learn more about his family’s Brazilian Jiu-Jitsu. After introducing myself and finding out that he also spoke Spanish, I asked him if it would be possible to get a few lessons. He first said that he had over 80 people on his waiting list and therefore wasn’t accepting any new students. He also said that these would be his last days at the Gracie Garage, as he was opening the new Gracie Jiu-Jitsu Academy in Torrance. I think he liked me, because he said I could take a few private lessons with his younger brothers Royler or Royce. I had a lesson with Master Royce on the same day, and that was how I got started in Gracie Jiu-Jitsu. I continued training with Royce at the Torrance Academy.

At the Gracie Garage, I also met the friendly Carlos Machado, with whom I later trained at his Machado Jiu-Jitsu Academy in Redondo Beach. I lived in Hermosa Beach, which was only a few minutes’ walk away. Later, my brother Demetrio and I also trained very intensively with his brothers Rigan and John, as Carlos moved to Texas to found another successful MJJ school alongside “Texas Ranger” Chuck Norris.

In 1978, Rorion Gracie reportedly came to Hawaii from Rio de Janeiro and then settled in Los Angeles. It is said that he had tried his luck in New York before that. His uncle Reyson and Carley Gracie, the two older sons of Carlos Gracie Sr., had already been in California for three years. They taught Jiu-Jitsu in San Francisco but did not have much success.

Master Rorion, on the other hand, as the son of Jiu-Jitsu patriarch Hélio Gracie, had set himself the goal of spreading his father’s fighting style throughout the world. He proceeded in a very determined and professional manner and received the support of great students such as Richard Bresler, his very first student, who sadly passed away recently.

Regardless of whether the entire history of Brazilian/Gracie Jiu-Jitsu is true or not, without the dedication of Master Rorion Gracie, it would never have become what it is today.

The Gracie Garage was in the home of a surfer named Carlos Gama, the son of Pedro Gama Filho, a red belt under Grand Master Hélio Gracie. The double garage, with a few Judo mats and no other luxuries, but with first-class Jiu-Jitsu, attracted martial arts master’s from all over America who came to these “Brazilians in white kimonos” to learn from them. Chuck Norris, Richard Norton, and many others who are also involved in the film business came to the Gracie’s to learn Brazilian Jiu-Jitsu.

This included my JKD/FMA instructor Paul Vunak, an innovative person who recognized the value of BJJ and integrated it into his martial arts repertoire. Around 1991, I met Sifu Paul at the Inosanto Academy. His approach to JKD Concepts prompted me to invite him to Switzerland to present his program (PFS).

Up until that point, I had trained with Master Royce, but it felt to me as if I had only scratched the surface. That’s why I often say that the first time for me was after Sifu Paul showed me in Zurich how effectively JKD Concepts and BJJ can be combined. Shortly afterwards, I found myself back with Vunak. He invited me to train with Rickson Gracie in Santa Monica to take part in a lesson. The simple, familiar, and respectful training atmosphere at Rickson’s motivated me to train more right away.

At the Gracie’s there were no “political” issues at the time, which often prevent students from looking around and trying other things in martial arts. There were also no “Japanese” terms and rituals that I had to memorize. Everything was based on a simple principle: it works, or it doesn’t! Everything was different from what I had seen before. We worked hard, but always with great mutual respect and support.

Even as a young man, I had always dreamed of turning my passion for martial arts into a career. You could say that this has always been my call. That’s why my role models were Master Chai Sirisute, who introduced Muay Thai to the US in the 1960s, Grand Master Sifu Keith Kernspecht, who made Wing Chun/Wing Tsun big and well-known throughout Europe (and beyond), and finally, Master Rorion Gracie, who made Brazilian Jiu-Jitsu what it is today all over the world.

We owe it to these great thinkers and doers to honor them by doing our best every day and striving to make them proud of us.

I wish you all lots of fun on the Jiu-Jitsu Tatame.
Keep it real! -Prof. Franco

“INVICTUS” is a short poem by English poet William Ernest Henley. Henley wrote it in 1875, and in 1888 he published it in his first volume of poems, Book of Verses, in the section titled “Life and Death (Echoes)”.

INVICTUS (Poem)

Out of the night that covers me
Black as the pit from pole to pole,
I thank whatever gods may be
For my unconquerable soul.

In the fell clutch of circumstance,
I have not winced nor cried aloud.
Under the bludgeonings of chance
My head is bloody, but unbowed.

Beyond this place of wrath and tears
Looms but the Horror of the shade,
And yet the menace of the years
Finds, and shall find, me unafraid.

It matters not how strait the gate,
How charged with punishments the scroll,
I am the master of my fate
I am the captain of my soul.

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